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Versöhnung: Der Trinitarische Zugang

von Pater Vladimir Zielinski (russisch-orthodoxer Priester)

Nikolaj Fedorov, der große russische Denker des 19. Jahrhunderts, sagt: „ Unser soziales Programm ist die Dreieinigkeit." Heute können wir – mit Recht – beinahe dasselbe sagen: Unser Versöhnungsprogramm ist ebenfalls die Dreifaltigkeit, die Drei-Einigkeit, denn das eigentliche Wesen der Dreifaltigkeit ist Beziehung und Liebe. Ganz genau so ist es innerhalb der Göttlichen Dreifaltigkeit: Beziehungs-Liebe eint die Drei Göttlichen Personen in ihrem göttlichen Wesen, und unser christlicher Glaube besteht, wenn wir versuchen, ihn in einzelne Bestandteile aufzugliedern, aus Beziehung, Liebe, Hoffnung, Freude, Furcht, der Gewißheit einer bestimmten Gegenwart und dem Staunen, dem Wunder. Wir müssen innehalten und in eine Gebetsstille eintreten, damit das trinitarische Mysterium uns erfüllt und uns gefangen nimmt, uns in seine Arme zieht, uns eint.

Ein Verspüren des Wunders angesichts der Trinität ist kein flüchtiges Gefühl, sondern ein Weg, auf dem es sich selbst in uns offenbart. Wenn wir im Staunen und in der kontemplativen Anbetung nach Einheit und Versöhnung suchen, gelangen wir auch zu der Einheit in dem gemeinsam erlebten Sich-Entschleiern des Geheimnisses, und schließlich dürfen wir dann durch die Gnade des Heiligen Geistes auch die Einheit des Denkens erreichen, die der Erfahrung und der triadologischen Formeln, die das Unbegreifliche ausdrücken.

Ich möchte versuchen, mich dem Unbegreiflichen zu nähern, wie es in meiner Orthodoxen Kirche gesehen und gelebt wird. Ich glaube jedoch, daß die Gottesvision uns allen in ihrer Tiefe gemeinsam ist. In unserer Begrifflichkeit unterschieden, sind wir dennoch insgeheim einig in der unaussprechlichen Wirklichkeit, die sich offen oder verborgen manifestiert. Hier ist nämlich der Pfad zur Versöhnung, auf dem Wege zu dem Mysterium, das am Ursprung der Menschheit liegt.

Wir wollen also mit dem Sichtbaren beginnen und dann zur Offenbarung des Unsichtbaren übergehen auf den Spuren des Lichtes, und als Ausgangspunkt wollen wir die Worte des hl. Johannes aus dem Prolog zu seinem Evangelium nehmen:
"Niemand hat Gott je gesehen;
der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht."

(Joh 1,18)

1. Die Bilder Christi

"Er hat Kunde gebracht". Wir treten in den Abgrund der Dreifaltigkeit durch das Tor des einziggeborenen Sohnes ein.
„Ich bin die Tür zu den Schafen", sagt Christus. Diese Schafe sind unsere Seelen, unsere Leiber, unsere Gedanken. Durch diese Tür öffnet sich der Abgrund und Gott tritt ein und beheimatet sich in der Menschheitsfamilie. Christus ist das Tor zu der Anschauung, denn er ist sichtbar, wir können seine Stimme hören, wir können geradezu seine Hand erfassen. Wenn wir ihm jedoch näher kommen, berühren wir das Unergründliche. Wir treten in das Mysterium, in das Unaussprechliche ein.

Wir Menschen leben außerhalb des Mysteriums, an seinem Rande. Es fordert uns freilich von allen Seiten heraus. Es kann nicht erfaßt werden, weder in gedanklicher Reflektion, noch in Worten, die es zu beschreiben versuchen. Alles jedoch, das uns zu Menschen macht, wurzelt in Christus und in dem Abgrund, den er aufdeckt oder entschleiert. Durch ihn sind uns die Begriffe des Guten und des Bösen gegeben worden, unsere Bilder von Schönheit und Häßlichkeit, unsere Vorstellungen von Himmel und Hölle. Dieser in uns verborgene Abgrund ist die Quelle unserer Nostalgie und des ängstlichen Fragens vor dem Tode, das dem Menschen eigen ist. Alle diese menschlichen Dinge speisen sich durch das Licht, das aus der Tiefe dieses Mysteriums aufsteigt. Alles wahrhaft Menschliche folgt direkt oder heimlich diesem Lichtboten.

"Das Wort war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet", (Joh 1,9). Das Licht berührt jeden von uns, es bleibt freilich oftmals unbenennbar. Es ist jedoch kein Rätsel, das entziffert werden müßte. Es läßt sich auch nicht durch die Finsternis erreichen. Deshalb nimmt das an das Zwielicht zwischen Licht und Dunkel gewöhnte Auge es nur mühsam wahr. Es ist das Herz, das es zuerst erkennt, denn das Licht scheint in seiner Tiefe auf, aber allenthalben läßt es Spuren seiner Anwesenheit, seines Aufenthaltes zurück. Das Licht spricht. Das Göttliche Wort leuchtet aus dem Herzen der Stille auf, das Antlitz wird in die Tiefen des Mysteriums hineingezogen. Dieses innere Antlitz ist jedem Menschen aufgeprägt, ganz wie eine persönliche Botschaft an jeden Einzelnen. Oftmals bleibt es anonym, wenn wir es nicht sehen wollen; aber es ruft uns zur Zwiesprache auf, wir sollen von ihm Kenntnis nehmen. Es schaut uns forschend an, hört uns zu. Es offenbart sich immerzu, aber um ihm wahrhaft zu begegnen, müssen wir uns zu ihm bekennen, einen Schritt auf es hin tun, es „Du" nennen.

Das Mysterium, das Licht, das Antlitz — diese drei Worte kommen mir zuerst in den Sinn, wenn ich über die unmittelbare Erfahrung Christi nachdenke. Sie sind jedermann zu eigen. Jeder Christ weiß, daß Christus uns als seine Freunde, seine Brüder, seine Hausgenossen erwählt hat, die auf derselben Erde leben und für denselben Himmel vorherbestimmt sind. Unser Glaube rührt von der Zustimmung, der Begegnung her.

Der Mensch ist als ein solcher erschaffen worden, der einem anderen begegnen soll. Diese Begegnung ist innerlicher als alle Vertrautheit und dennoch ist sie sozial. Im Wort Christi kann jedermann den anderen erkennen, seinen Nachbarn, seinen Bruder, und von daher bilden wir alle die Gemeinschaft mit dem Wort. „Ich habe offen zur Welt gesprochen", sagt Christus, und jedermann kann ihn hören. Jesus spricht offen zu der Welt und still-heimlich zum Herzen. So bringt das Wort, „das im Anfang bei Gott war", das Sakrament der menschlichen Person zustande. „Das Licht, das in euch ist" (Lk 11,35), das Bildnis Gottes, das Antlitz Christi in der Tiefe unseres Seins „begründen" dieses göttliche Unterfangen in uns. Wir sind immerzu unterwegs auf diesen Ursprung hin oder auf Christus hin, der uns erlaubt, ihm zu begegnen, ihn von neuem zu entdecken.

Wie viele Entdeckungen sind in diesen zwanzig Jahrhunderten gemacht worden? Im 19. Jahrhundert dachte man, das Christentum sei besiegt, im 2o. Jahrundert konnten heidnische Ideologien ihren Triumph feiern, aber heute, am Morgen des neuen Millenniums, wird es immer offenkundiger, daß das neue Jahrhundert (wie ein jedes Jahrhundert nach der Fleischwerdung Christi) gerade deswegen dasjenige Christi sein wird.

Das Evangelium ist, geographisch gesprochen, noch nicht in der ganzen Welt gepredigt worden, aber dennoch in seiner ganzen Fülle, in seiner Tiefe, in all seiner unbekannten Gnade. Es scheint so, als ob Christus zuweilen in den Schatten der Geschichte zurücktritt, als ob er erlaubt, zuweilen abgetrieben, verspottet zu werden; dann freilich zeigt er sich wieder auf unerwartete Weise. Die Kraft seiner Worte ist stärker als „die Weisheit der Welt"; seine Schößlinge durchstoßen alle gedanklichen Systeme, auch sogar diejenigen, die sich selbst christliche nennen. Ich denke an die Worte Teilhards de Chardin, daß nach jeder geschichtlichen Krise, Christus wiederum in unerwarteter Tiefe auftaucht, in neuem Licht. Das wird in der Zukunft geschehen bis zu der Zeit seiner Wiederkunft, denn nicht Menschen haben Christus erschaffen, sondern der Vater erschuf sie in Seinem Sohn und gab ihnen einen Funken Seines Geistes mit. Und der Geist Gottes wird die Matrix bleiben, die unsere Seelen wieder belebt — in der unerwarteten Heiligkeit, in der Neuentdeckung — Christus, der derselbe ist heute und durch alle Jahrhunderte hindurch, der, welcher rettet, und der, welcher eint.

II. Der heilige Geist und die Umwandlung der Gaben

"Selig jene, die nicht sehen und doch glauben...", sagt Christus.

Unsere Kenntnis Christi ist dem Bild ähnlich, das der Eine, der Ihn in Wahrheit kennt, von Ihm zeichnet. „Niemand kennt den Sohn als der Vater, und den Vater kennt niemand als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will" (Mt 11,27). Dieser vom Vater gewünschte Offenbarungsakt geschieht durch den Heiligen Geist. Die Namen Christi, die wir in unserem Gedächtnis, in unserem Herzen vorfinden, sind die vom Heiligen Geist eingegebenen. Unsere Erfahrung des Heiligen Geistes ist zugleich Seine Manifestation. Er bleibt freilich immer unsichtbar, außerhalb unserer Reichweite.

Der Name Gottes ist jenseits all dessen, was der Mensch mit seinem Munde aussprechen oder in seinem Geist umschreiben kann. Unsere jüdischen und muslimischen Brüder haben ganz recht, wenn sie ihn zu schützen wünschen. Es gibt allerdings Worte, die sozusagen Boten sind, Worte, die Ikonen sind, Worte, die das Feuer, welches die Welt mit ihrer Schönheit erschuf, in eins fassen, und dieser kleine Glaubensfunke hat in uns gezündet. Das erste dieser Worte ist „Liebe". Damit ist nicht ein sentimentaler Affekt gemeint, sondern zu allererst ein Band, das uns Sterbliche mit dem unbegreiflichen und unfaßbaren Gott eint, wie die Liturgie es sagt. Es ist eine geheimnisvolle gemeinsame Substanz, die zwischen Gott und uns existiert, die Wahrheit, die für den Himmel und für die Erde nur eine einzige ist, das Wunder der Gegenwart Gottes unter uns. Er ist nicht als ein ferner Begriff unter uns, sondern als ein Freund, Bruder, Retter. Dieses uns einende Band, dieses Wunder der Anwesenheit, dieser Abgrund der Liebe wird der Heilige Geist genannt.

Wenn wir den Namen der Dreifaltigkeit anrufen, den des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, bekennen wir damit nicht nur eine bestimmte Gottesanschauung, sondern wir befinden uns bereits inmitten des Geheimnisses, das offen vor uns liegt. Und wir sind schon in der Liebe geeint, die "in unseren Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist", wie der hl. Paulus sagt. (Rö 5,5) Das, was wir Offenbarung nennen, ist die Ausgießung des Geheimnisses der Liebe, das der Heilige Geist offenlegt.

Wir antworten darauf spontan mit Dankbarkeit. Aber auch die Dankbarkeit für die Liebe ist ja die Tat des Heiligen Geistes. Der Sohn, der den Vater durch den Sohn entdeckt, ist auch die Tat des Heiligen Geistes. Das Herz, das sich selbst reinigt, um Gott Raum zu geben, ist Werk des Heiligen Geistes. Diese Vorgänge sind die Bestandteile unseres Glaubens. Der Glaube ist freilich zunächst die Antwort auf die Liebe. Der Heilige Geist offenbart den Vater. Der Heilige Geist belebt unser Gedächtnis. Der Heilige Geist gibt uns die Worte der Gebete ein. Der Heilige Geist ist der Austausch der Gaben zwischen Gott und uns, zwischen unseren kleinen Gaben, unseren winzigen Bemühungen, und Gottes unermeßlichen Gaben, die uns übersteigen.

Das Wunder des Christentums besteht in der Gegenwart Gottes unter uns. Es ist nicht nur so, daß "Gott im Himmel ist, und wir auf Erden sind", nach der Auffassung aller monotheistischen Religionen, sondern daß Gott mit uns ist, mit Seinem Wort, Seiner Gnade und Seiner Liebe, die Er in unser Gedächtnis und unser Herz gelegt hat.

Wir sind wegen unserer Sünden, unserer Schwächen und Grenzen nicht würdig, Gott in diesem Wohnsitz zu dienen, aber zugleich werden wir dennoch eingelassen in den Heiligen der Heiligen. Jesus sagt: "Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh 14,23). Die östliche Tradition versteht dieses Wohnung-Nehmen in ganz personaler und konkreter Weise als das Haus Gottes, das bei uns und in uns aufgebaut wird. Hören wir, was die orthodoxe Liturgie sagt: Sie kann mit dem Aufbau des Hauses Gottes in der Gemeinschaft der Gläubigen verglichen werden und dem des Hauses Gottes im menschlichen Herzen. Dieser Aufbau geschieht durch die Mittel der Kunst, des Gebetes und auch durch unsere Gefühle. In sakramentalem Sinne wird dieses Haus durch die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi auferbaut. Die sakramentale Eucharistie ist jedoch das Zeichen für die Eucharistie der Schöpfung, von dem der katholische Theologe Teilhard de Chardin und auch der orthodoxe Theologe John Ziziulas gesprochen haben. Die Eucharistie ist in ihrem unmittelbaren und geistlichen Sinne die Dankbarkeit des Sohnes oder der Söhne, die das Gedächtnis des ewigen Opfers des Herrn begehen. Dieses Gedächtnis wird in das Sakrament verwandelt, in die leibliche und geistige Vereinigung mit unserem Gott. Wir sind dann im Hause Jesu und Seines Vaters oder auch in der Liebesvereinigung, im Heiligen Geist, der verwandelt, der diese Vereinigung bewirkt.

Was tut nun der Heilige Geist? Er tritt in die Liebe und das Begehren eines Mannes und einer Frau ein, die ein anderes menschliches Wesen hervorbringen, eine weitere Seele, einen weiteren Tempel Gottes. Er berührt das Antlitz des mit Geist begabten Lebewesens, so daß es ein menschliches Antlitz mit seiner Schönheit, seiner Rätselhaftigkeit wird, mit seinen Augen, die dem Blick Gottes begegnet sind. Er steigt als einfache menschliche Speise herab, die zur Wohnung Gottes, zu Seinem Leib und Seinem Blut wird, zu Seinem Opfer und Seiner Liebe.

Das Schlüsselwort dieses Wirkens, dieses unglaublichen Tausches ist "Umwandlung".

Die Umwandlung menschlicher Worte in das Göttliche Wort des Herrn.
Die Umwandlung unserer brüchigen Gedächtnisse in ein heiliges Gedächtnis.
Die Umwandlung unserer Gedanken und Gefühle in das Mysterium des Glaubens.
Die Umwandlung der Gemeinschaft der Gläubigen in die Kirche.
Die Umwandlung menschlicher Liebe in den Tempel des Heiligen Geistes.
Die Umwandlung unserer Speisen in das Opfer der Herrn.

Jedesmal scheint diese neue Wirklichkeit auf und erbaut sich aus den Elementen der Welt. Diese zeitliche irdische Wirklichkeit wurzelt in einer anderen Realität. Einer ewigen und himmlischen, die uns unendlich übersteigt. Sie verbindet zwei Seinsordnungen miteinander, ohne sie zu vermischen und erschafft eine neue gott-menschliche Wirklichkeit, die Trägerin der christlichen Grundbotschaft ist: Gott gibt das Geschenk der Umwandlung Seiner Existenz in unser Leben, und dieses Geschenk wird immerfort durch das Wirken des Heiligen Geistes vollbracht. Das Wirken des Heiligen Geistes besagt, daß das, was Gott uns gibt, dem Menschen verbunden und göttlich wird. Die radikalste Umwandlung ist nun die, welche uns zu Bürgern des Gottesreiches macht.

In dem langen und schwierigen Prozeß der Umwandlung unserer Seelen und Leiber, um sie für das Gottesreich zuzubereiten, wirken der Mensch und Gott gleichermaßen mit. Der Mensch wird zum Partner Gottes und beteiligt sich an der gemeinsamen Aufgabe. An dem Werk der Umwandlung oder Verwandlung der Menschheit in Christus. Um jedoch diese Aufgabe vollenden zu können, muß eine andere Umwandlung geschehen, nämlich die der gespaltenen, oft einander feindlich gegenüberstehenden Gemeinschaften in eine einzige vereinte Familie.

Der Heilige Geist bringt uns Christus nahe, aber es ist der verherrlichte Christus, der uns den Heiligen Geist sendet. Es sind zwei wechselseitige Missionen, die der zwei Hände des Vaters, wie der hl. Irenäus sagt. Die Orthodoxe Kirche bekennt, daß der Heilige Geist vom Vater ausgeht und zum Abglanz des Sohnes wird; aber der Heilige Geist läßt den Sohn nicht nur an der Seite des Vaters aufstrahlen, sondern zugleich auch in uns, in unseren Herzen, in unseren Leben. Der Heilige Geist durchdringt unser Bewußtsein und schafft eine Art von Gegenseitigkeit, von Korrelation, das heißt eine Fähigkeit, den Sohn zu erkennen und durch den Sohn den Vater. Eine wahre Erkenntnis kann jedoch nur in der Versöhntheit der Seelen, unserer Gewissen, vor sich gehen, im Sakrament der Versöhnung vor unserem gemeinsamen Vater.

III. Das Offenbarwerden des Vaters im Spiegel der Liturgie

Es gibt tausende Spiegelungen des unsichtbaren Vaters in der Wirklichkeit, die den Menschen umgibt. "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, die Himmelsfeste verkündet das Werk seiner Hände; der Tag verkündet es weiter dem anderen Tag, die Nacht vermeldet der Nacht ihre Kunde" (Ps 18,1). Wenn wir dieser Kunde, die der Himmel uns gibt, ein offenes Ohr schenken, die uns durch Tage, Nächte, Berge, Wolken, Flüsse, Gräser verkündet wird, dann wollen wir sagen, daß der Sohn all das ins Dasein gerufen hat, daß Er alles allüberall mit Fleisch umkleidet hat, daß der unsichtbare Gottesgeist alles in die Herrlichkeit des Daseins gerufen hat. Aber hier wählen wir einen betenden Mann als ein Zeuge des Vaters, ein liturgischer Mann, wie Sein Sohn, der den Einen liebt, den er kennt "als ob er den Unsichtbaren sehen würde", nach den Worten des hl. Paulus.

Im Rahmen der byzantinischen Liturgie, die dem Gebet und der geistlichen Erfahrung entsprungen ist, können wir dem Vater näher kommen, ganz vertraut mit Ihm sprechen („Du" zu ihm sagen), so wie Christus selbst es tat. Das Wunder der Liturgie, das sich nur den Augen des Glaubens öffnet, ist unsere Zukunft, der Leib Christi, das heißt in der Umwandlung unserer selbst. Und so weit wir Sein Leib sind, werden wir zu Sehern, offenbart sich uns das Geheimnis der Trinität selbst. Das Gebet übermittelt uns die Kenntnis des Einen, der nicht erkannt werden kann. "Niemand kennt den Vater, außer der Sohn, und wem der Sohn ihn offenbaren will." (Mt 11,27)

Der Sohn offenbart uns den Vater an dem Ort und in der Zeit, an denen Er selbst anwesend ist. Es gibt tausende Wege, dem Vater nahe zu kommen (durch die Schönheit, die Weisheit der Schöpfung, das menschliche Antlitz), aber um nicht in vage und abgegriffene Worte abzugleiten, wollen wir den Königsweg der östlichen Liturgie einschlagen. Hier begegnen wir dem Vater auf unglaubliche Weise und in furchterregender Vertrautheit. Hier sind wir Ihm so nahe, daß wir wie Mose gezwungen sind, "unser Antlitz zu bedecken, aus Furcht, Ihn anzuschauen" (Ex 3,6). Aber die Liturgie selbst ermutigt uns dazu, denn Christus selbst schaut den Vater mit unseren Augen an, Christus selbst betet mit unseren Worten.

Wir wollen jedoch die einzelnen Schritte dieser Offenbarung des Vaters (natürlich symbolisch und annäherungsweise) näher betrachten, wie die eucharistische Zelebration sie uns darbietet.

Der erste Teil könnte die Liturgie des Gedächtnisses genannt werden. Der Vorbereitungsritus (oder die Prothesis oder Proskomidia) ist ganz und gar auf die Erinnerung ausgerichtet, die zelebriert wird. Das vom Priester gesprochene Gebet versammelt die ganze Kirche um Christus herum, angefangen von der Mutter Gottes und Johannes dem Täufer bis zu allen uns Nahestehenden, den Lebenden oder den Toten, alle, die wir in unserem Gedächtnis oder in unserem Herzen haben. Und mit Christus zusammen, der in dem Lamm dargestellt ist (einem kleinen Stück Brot, das konsekriert wird), stellt sich seine ganze Herde dem unsichtbaren Vater vorDer erste Teil könnte die Liturgie des Gedächtnisses genannt werden. Der Vorbereitungsritus (oder die Prothesis oder Proskomidia) ist ganz und gar auf die Erinnerung ausgerichtet, die zelebriert wird. Das vom Priester gesprochene Gebet versammelt die ganze Kirche um Christus herum, angefangen von der Mutter Gottes und Johannes dem Täufer bis zu allen uns Nahestehenden, den Lebenden oder den Toten, alle, die wir in unserem Gedächtnis oder in unserem Herzen haben. Und mit Christus zusammen, der in dem Lamm dargestellt ist (einem kleinen Stück Brot, das konsekriert wird), stellt sich seine ganze Herde dem unsichtbaren Vater vor:

"Segne und heilige uns, segne diese Gabe und nimm sie an auf deinem himmlischen Altar", betet die Kirche mit Christus, ihrem Haupt, denn es ist der Vater, der all die liturgischen Gebete und das Opfer selbst entgegen nimmt. Der Vater schaut auf uns, hört uns an, grüßt uns. Wir nehmen Sein Gesicht wahr "rätselhaft durch einen Spiegel" (1 Ko 13,12) in unseren Worten, unseren Fürbitten, und das Gesicht ist ein solches der Liebe und des Mitleids.

In dieser Ansammlung von Namen und Erinnerungen wird das Gedächtnis zu einem Sakrament als ein Zeichen der Einheit... und auch der Zerrissenheit. Die "übrigen Schafe, die nicht aus diesem Schafstall sind", wie Christus sie nennt (Joh 10,16) werden vergessen und außerhalb gelassen. Deshalb ist für mich als den Zelebranten jede liturgische Feier ein stummer und drängender Aufruf zur Versöhnung nicht allein unserer Gefühle, sondern in dem mystischen und sakramentalen Leib Christi.

Wir kommen nun zu der Liturgie des Wortes. In der Orthodoxen Kirche wird sie auch die Liturgie der Katechumenen genannt; ich würde sie zwar lieber Liturgie der Einführung nennen. Wir werden nun in die Anschauung der in Christus erneuerten "neuen Schöpfung" eingeführt und hineingetragen. Mit den Worten des 102. Psalms betreten wir nun den Gebetsdialog des Menschen, dessen Seele von Staunen und Bewunderung erfüllt ist. "Preise, meine Seele, Jahwe, alles in mir lobpreise seinen heiligen Namen". Der Sohn enthüllt und bekennt uns den Vater durch Seine Werke. Die Liturgie schreitet direkt darauf zu, Christus zu offenbaren (Du einziggezeugter Sohn und das Wort Gottes, obwohl Du unsterblich bist, hast Du dich um unserer Erlösung willen verdemütigt und Fleisch angenommen...), und einige Minuten später singt der Chor die Seligpreisungen. Eine jede Seligpreisung ist wie eine Spiegelung, die uns gestattet, die Wirklichkeit des Himmels im Geheimnis des menschlichen Herzens zu sehen. Mit den Seligpreisungen nehmen wir unsere Umwandlung als Kinder des Vaters in Seinen einzigen Sohn gleichsam vorweg. "Wir beten nun in Christus und Er betet mit Seinem Heiligen Geist in uns, wie wir in Seinem Namen versammelt sind" (Vater A. Schmemann) Und dieses Gebet vollbringt in sich selbst die Einheit, zu der hingeführt worden ist.

Die Liturgie der Katechumenen wird durch die "Metanoia" verwirklicht, die die Bekehrung der Herzen versinnbildet. Angefangen von diesem Sinneswandel beginnt die eigentliche Liturgie der Gläubigen, die ich die Liturgie der Annahme an Kindes statt zu nennen wagen möchte. Es ist die Annahme durch den Vater in Christus, der uns das Antlitz des unsichtbaren Vaters entdecken läßt. Wir nähern uns Ihm wie die Engel. „ Wir, die wir mystischerweise die Cherubim darstellen", singt nun der Chor. Wir sehen das Gesicht der Liebe, wie Christus es sah, denn wir werden in der Eucharistie vom Vater angenommen. Der hl. Maximus der Bekenner sagt: "Die Seele wird mit einer den heiligen Engeln gleichen Würde in Gnaden zur Annahme zugelassen in der Identität, die Christus ihr verleiht".

Die Identität mit Christus ist ein zentraler Punkt jeder liturgischen Handlung; dies geht geheimnisvoll und auf unvorstellbare Weise zu. Hierin offenbart sich das Geheimnis der Kirche als Communio und als Annahme an Kindes statt. In dieses Mysterium treten wir durch das Sakrament der Eucharistie ein, durch die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Die Adoption ist ein Geheimnis der eucharistischen und geistlichen Identität, die durch die Gnade der Umwandlung der Menschheit in Christus vor sich geht, durch die Verwandlung der Glieder der Kirche in den Leib Christi. „Der geistliche Mensch ist die Kirche", fügt der hl. Maximus der Bekenner an, „und die mystische Kirche ist der Mensch".
In der Wandlungsformel (der Anamnesis) nach den Worten Christi: "Nehmet und esset..." folgen die Worte, die Jesus selbst zum Vater spricht: "Wir opfern Dir diese Gaben, die Du selbst uns gegeben hast in allem und für alle". Das Opfer Christi ist zu unserer Opfergabe in der Liturgie geworden; wir treten so in eine mystische, geistliche, sakramentale Kommunion mit dem Vater selbst ein.

Die Offenbarung des Vaters ist ganz offensichtlich in der Kirche, und doch bleiben wir oftmals außen vor. Die Gegenwart Christi wird ja geoffenbart, aber wenn Christus nicht in uns lebt, in unseren Herzen, dann können wir blind für Seine Gegenwart sein. Die Liturgie stellt dem Menschen bedeutsame Fragen: Wer bist du? Wo bist du? Bei wem bist du? Bei Christus oder bei seinem Widersacher? Bist du wirklich mit denen um dich her vereint und versöhnt, mit deinen Brüdern, mit den anderen? Aber diese Fragen tauchen auf aus den bereits gegebenen Antworten. Die Liturgie führt uns in das Innerste des Vaters und stellt uns ein dreifaches Bild vom Menschen vor, einen reuigen Sünder, einen Engel, der im Dienste der Herrlichkeit Gottes steht, und einen Christus, der im Heiligen Geist den Vater und unseren Vater kennt.

In diesem trinitarischen Zugang tritt die Herausforderung zur Einheit klarer vor Augen. Es gibt drei Wege zur Lösung des Problems: Wir können unsere langwierigen theologischen Diskussionen fortführen und vielleicht in tausend oder zweitausend Jahren auf eine Lösung hoffen.. Wir können mit den delikatesten Gefühlen die Einheit und die Versöhnung verkünden, als ob all diese jahrhundertealten Spaltungen und Differenzen nicht existierten und nur die Erfindungen einiger mittelalterlicher Philister wären. Wir können in einem Begeisterungstaumel Verträge unterzeichnen, um von einem bestimmten Tag an Einheit und Versöhnung zu dekretieren.

Und schließlich können wir in der Geheimnis des anderen eintreten, in das Innerste seiner Beziehung zu Gott, in seine Gottesanschauung, und versuchen, uns diese zu eigen zu machen und sie aufrichtig nachzuvollziehen. Hier ist es nämlich, im innersten Raum des Gebetes, in der Kontemplation, im Staunen und der Reue, wo der Ruf des göttlichen Bräutigams, der Göttllichen Dreieinigkeit, der Ruf Christi unser Herz erreicht: "Auf daß alle eins seien. Vater, sie sollen eins sein in uns, wie Du in Mir bist und Ich in Dir bin, auf daß die Welt glaube..." (Joh 17,21)

Ich habe Ihnen die orthodoxe Anschauung der Dreieinigkeit vorgetragen und möchte Sie einladen, sie mit mir zu teilen. Das heißt nicht, daß ich mich den anderen Anschauungen verweigere, ganz im Gegenteil, aber ich glaube, daß wahre Versöhnung, bevor sie öffentlich zelebriert wird, zuerst in jedermanns eigenem Hause stattfinden muß.

Das heißt, daß die Einheit in der Dreifaltigkeit, eine Versöhnung, die viel stärker und tiefer als eine solche der Begeisterung oder theologischer Formeln ist, beginnen muß in dem miteinander geteilten und gemeinsam gelebten Mysterium. Es öffnet unser Herz, und selbst die Tiefe unseres Herzens den anderen und lehrt uns die Liebe zu dem anderen. Aber Liebe, das haben wir schon weiter oben gesagt, ist bereits Gemeinschaft mit der Heiligsten Dreifaltigkeit. Der Schlüssel zur Einheit liegt in uns selbst, in dem trinitarischen Leben selbst, an dem wir teilhaben. Wir sollen ihn in unserem auf die Göttliche Trinität hin geöffneten Herzen suchen, denn diese Göttliche Trinität eint uns bereits. "Da, wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz", sagt ja Christus (Lk 12,34). Auf der Versöhnung der Herzen hat Er nämlich selbst das Sakrament der Einheit begründet.

 
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