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Der Ruf der Wüste

In seinem Brief an die Galater sagt der heilige Paulus, dass er nach seiner Bekehrung und Taufe nach „Arabien“ ging (vgl. Gal 1:17, 18). In seinem Buch Der Apostel: das Leben des Paulus schreibt der anglikanische Autor John Charles Pollock darüber als einer Zeit der Vorbereitung für Paulus. Einer frühen Überlieferung zufolge begann er sofort in „Arabien“ zu predigen, doch das steht nicht im Gegensatz zu der Vorstellung, dass er beabsichtigte, in die Wildnis zu gehen, wie Christus Selbst, um zu beten, zu meditieren und den Herrn zu fragen, was sein nächster Schritt sein sollte.

Pollock entwirft eine anziehende Szene, in der Paulus, unfähig, seine Begeisterung für Jesus zu bezähmen, mit seinem ersten Konvertiten, möglicherweise einem jungen Beduinen, an einem Lagerfeuer sitzt und ihm seine Betrachtungen unter dem Sternenhimmel mitteilt. Einige moderne Kommentatoren halten es für wahrscheinlich, dass das Hauptanliegen des Paulus darin bestand, die Einsamkeit zu suchen, um mit all dem, was ihm seit dem Ereignis auf der Straße nach Damaskus widerfahren war, fertig zu werden. Es ist wahrscheinlich, dass er seine Meditationen nach seiner Rückkehr nach Damaskus fortsetzte, bis er sich imstande fühlte, eine Bestätigung seines Rufes bei der Gemeinde in Jerusalem zu suchen. Er kann in Damaskus nicht so schnell in Vergessenheit geraten sein, und somit ist es wahrscheinlich, dass er sich dort nach seiner Rückkehr relativ ruhig verhalten hat.

Eine Reise in diesem Teil der Welt, selbst wenn man mit der Wildnis nur am Rande in Berührung kommt, lädt dazu ein, über die spirituelle Bedeutung der Wüste nachzusinnen. Diejenigen, die an der WLIG-Pilgerreise in Ägypten teilgenommen hatten, haben aus der Entfernung etwas von der Sahara gesehen. Wir fuhren ebenfalls durch eine wilde Region, in der wir Schilder mit dem Hinweis auf industrielle bzw. militärische Aktivitäten sahen. Die vorherige Pilgerreise ins Heilige Land hatte uns auf unserem Weg zum Toten Meer auch schon in ein Wüstengebiet geführt. Doch auf dieser letzten Pilgerfahrt sahen wir mehr von dieser Wildnis und hielten uns dort länger auf. Einiges ist dort jetzt kultiviert, und da und dort sieht man Hinweisschilder auf Schwerindustrie, aber der Charakter der Wüste bleibt bestehen. Teile dieses Gebietes findet man in den Schriften von T.E. Lawrence, in Lawrence von Arabien, wieder.

The desert region on the way to Palmyra, Fr. Michael, Vassula, Bishop Jeremias, and Fr. Habibi
Das Wüstengebiet auf dem Weg nach Palmyra. Pater Michael, Vassula, Bischof Jeremias und Pater Habiby

Desert of Palmyra, Syria
Wüste von Palmyra, Syrien

Die Wüste ist sehr wichtig im geistlichen Leben. Es gibt sowohl negative als auch positive Betrachtungsweisen der Wüste, und irgendwie könnte man sagen, dass die positivste Bedeutung von allen auch mit etwas Negativem zu tun hat. Die Wüste ist ein Ort der Reinigung und manchmal der Vorbereitung. Diejenigen, die beginnen, Fortschritte im geistlichen Leben zu machen, werden schließlich in eine „Wüstenerfahrung“ berufen, in der sie nur Gott suchen. Es gibt da eine „Verneinung“, die für das geistliche Wachstum notwendig ist, und das ist nicht nur eine Wegführung von materiellen Dingen, sondern eine Wegführung von allem, was wir als Hindernis für eine tiefere Beziehung zu Gott ansehen. In diesem Sinne wurde die Wüste häufig als ein Ort der „Reinigung“ beschrieben, wo der Geist von seiner Verwirrung entlastet wird und die Vision des Glaubens klarer wird. Für manche kann schon eine Pilgerreise etwas „Wüstenhaftes“ beinhalten, entweder aufgrund einiger negativer Aspekte, die fast immer da sind, oder aufgrund des Wirkens des Heiligen Geistes, der versucht, die Seele näher zu Ihm selbst zu ziehen. Manchmal kann eine Pilgerfahrt reinigend sein; manchmal ist sie eine Vorbereitung für etwas: eine tiefere Bekehrung, einen Fortschritt auf dem Weg der Jüngerschaft oder einen Ruf zu einer Vertiefung des Gebetslebens.

Auf einer Pilgerreise ist es nicht immer leicht, Stille zu finden, und doch ist da nur zu oft ein Ruf nach Stille inmitten des Lärms, des Check-ins, der Sorge um das Gepäck und der eiligen Suche nach dem Speisesaal. Ist man wieder zu Hause, könnte man einen neuen Anfang mit dem Gebet machen, aber nur, wenn man für den Heiligen Geist offen ist.

"Ersetze Mich nie! Behalte Mich zuerst. Stell dich vor allem Mir gegenüber und verharre immer so Mir gegenüber. Sei wie ein Spiegel, eine Widerspiegelung von Mir. Suche niemanden außer Mich! Geh nicht den alten Gewohnheiten deines vergangenen Lebens nach! Ich bin heilig und Herr; Ich und du, wir sind jetzt eins. Ich beabsichtige, dich nur für Mich zu behalten und für immer. Demütige dich, lerne von Mir; begehre nur Mich, atme für Mich, wende dich jetzt weder nach rechts noch nach links, fahre fort, geradeaus zu gehen! Geliebte, gestatte Mir, dich zu gebrauchen. Halte dich an Mich, entzücke Mich durch deine Einfachheit der Worte, die Einfachheit betört Mich. Sag Mir deine Worte! Erlaube Mir, sie immer wieder zu hören, sage Mir: „Ich liebe dich Jesus, Du bist meine Freude, mein Atem, meine Ruhe, mein Augenlicht, mein Lächeln."

" Tochter, du würdest Mir übrigens Freude bereiten, wenn du Zeit fändest nachdenken und zu meditieren. Suche Mich von jetzt an in der Stille. Liebe Mich in der absoluten Stille, bete in der Stille! Tritt in Meine geistige Welt ein, in der Stille Belohne Mich jetzt! Ich liebe dich! Ehre Mich, indem du dich Mir schenkst, verdrieße Mich nicht! Sei Mein, Geliebte, sprich! "

"Wie, Herr, stillschweigend?"

" Stillschweigend, wenn du Mich anschaust. Ich will, dass du still bleibst, ohne Störung irgendwelcher Art. Suche Mich in der Stille" 31. Mai 1987

Vassulas Betrachtung über die Entsagung gab uns ein wichtiges Thema für unsere Pilgerfahrt:

" Wir sind hier, nicht nur, um den Spuren der Propheten aus alter Zeit nachzufolgen, sondern, um einen breiten Weg in unserem Geist und Herzen zu öffnen, um ihre vollkommene Treue zu sehen, die sie Gott bewiesen haben, wenn Er sie rief, um ihnen Seine Pläne zu enthüllen: Während wir durch diese Wüsten fahren, sollten wir über ihre Selbstverleugnung, ihre Selbstaufgabe meditieren und uns ihres unbezähmbaren Mutes, ihres Eifers und ihrer Liebe zu Gott bewusst werden... Gott nahm alles von ihnen, was weltlich war, um ihnen Sein eigenes Heiliges Antlitz aufzuprägen... Jedem von uns auf dieser Erde ist ein Auftrag anvertraut worden... Es gibt Menschen, die immer noch nicht ihre Hoffnung in Gott setzen und Ihm auch nicht vertrauen, sondern sich an das klammern, was sie besitzen und es nicht loslassen. Es gibt wenige, die Gott so lieben, wie es dem ersten Gebot entspricht... Der Herr sagt uns mehrere Male in den Botschaften, dass wir diese Verarmung nicht fürchten sollen, die uns nicht nur frei machen wird, sondern auch den Weg der Hoffnung in uns öffnen und durch diese Öffnung das Streben nach übernatürlichen Gütern und Gott Selbst sichern wird. "

Den vollständigen Text dieses Artikels kann man hier finden. Vielleicht sollten wir ihn nochmals lesen.

Am sechsten Tag reisten wir nach Jordanien ab. Auf dem Weg dorthin hielten wir in Maaloula an, einer alten christlichen Stadt, in der man noch aramäisch spricht. Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten ist das Kloster der heiligen Thekla, einer Jüngerin des heiligen Paulus. Sie war eine eifrige christliche Konvertitin, die ihre Verlobung löste, um sich Gott zu weihen. Ihr rachsüchtiger Bräutigam versuchte, sie auf verschiedene Weise zu töten; die Anschläge wurden aber durch das Eingreifen Gottes alle vereitelt. Wie Legende erzählt, versteckte sie sich in einer Höhle am Abhang, um die herum die Anfänge des gegenwärtigen Klosters erbaut wurden. Menschen verschiedener Religionen kamen in das Kloster, um Segen zu empfangen und Gaben zu spenden. Das Kloster beherbergt die Reliquien der Heiligen.

Convent of Saint Tekla
Kloster St. Thekla

Eine andere Sehenswürdigkeit ist das Mar Sarkis Sergius-Kloster. Es wurde im 4. Jahrhundert auf den Überresten eines heidnischen Tempels erbaut. Es wurde nach dem heiligen Sarkis, einem syrischen Ritter, benannt, der unter der Herrschaft des Kaisers Maximianus im Jahre 297 in einer Schlacht getötet wurde.

Wir hatten das Privileg, hier an einem der ältesten Altäre der Christenheit die heilige Messe zu feiern. Der Altar selbst hatte „Hörner“ – herausragende Ecken, die uns an den Opferaltar im Tempel von Jerusalem erinnerte. Der Bereich des Heiligtums ist ziemlich klein, und es war interessant zu sehen, wie all diese Bischöfe und Priester untergebracht wurden. Es gibt eine Wand mit Öffnungen, die wie ein Schrein aussehen, mit „Heiligen Türen“, so dass die Leute in der Kirche nicht viel sehen konnten. Die Christen von Maaloula sind griechisch-katholisch. Hauptzelebrant der Messe war Bischof Felix Toppo.

Mar Sarkis Sergius Monastery
Mar Sarkis Sergius-Kloster, Kirche der heiligen Sergius und Bacchus

Altar, Mar Sarkis Sergius Monastery
Altar des Mar Sarkis Sergius-Klosters, Kirche der heiligen Sergius und Bacchus

Outside of St. Sergius and Bacchus Church
Außerhalb der Kirche der heiligen Sergius und Bacchus

Wir hatten nicht viel Zeit, um die Stadt selbst zu besichtigen. Man sagte uns, dass der Regisseur Mel Gibson einige Szenen der „Passion Christi“ an diesem antiken Ort gedreht hatte.

View of Maaloula
Blick auf Maaloula

Wir verließen Maaloula und fuhren weiter nach Bosra, wo wir aßen, und gelangten dann durch die Wüste zur syrisch-jordanischen Grenze. Inzwischen waren die Gruppen der Busse zu kleinen Gemeinschaften zusammen gewachsen, und man sang Lieder, betete, und manche gaben Zeugnis. Einige Freundschaften wurden erneuert und manche wurden neu geschlossen. Die Leute lernten einander wirklich kennen, lachten, besprachen ihre Probleme miteinander und redeten über Gott und ihre Erfahrung mit dem Wahren Leben in Gott. Ein Teil der Pilgerfahrt bestand in dem Segen, beisammen zu sein und die Reise, die Mahlzeiten und die Gebete miteinander zu teilen.